Nie wieder schlechter Sex

Februar 15th, 2015

Über die Flaute im Bett beschweren, das kann doch jeder. Dabei liegt es an uns selbst alles besser zu machen, viel besser! 2015 könnte Euer erotischstes Jahr werden, sofern Ihr diese neun wichtigen Vorsätze befolgt!

 

9 Vorsätze, die jede Frau für 2015 fassen sollte und die garantieren, dass der Bettsport erfüllender denn je wird!

1. Schluss mit Orgasmuslügen

Den Orgasmus vorheucheln, das hat noch nie was gebracht. Vielleicht verletzen wir so kurzfristig sein Ego nicht, langfristig führt es jedoch nur zu extremem Frust im Bett. Ab jetzt stets ehrlich bleiben!

2. Schluss mit Verzicht auf Oralsex

„Er macht das eben einfach nicht gern“ ist der Satz, den keine Frau 2015 mehr sagen sollte. Klitorale Stimulierung ist wichtig, oftmals sogar der einzige Weg zum Orgasmus. Und mit seiner Zunge funktioniert es eben am besten.

3. Weg mit den Omaschlüpfern

Es ist ganz egal, ob Euch jemand in Unterwäsche sieht oder nicht: Mit einem Omaschlüpfer darunter hat keine Frau eine sinnliche Ausstrahlung, ganz einfach, weil sie sich darin nicht sexy fühlt.

4. Tacheles reden

Keine falsche Zurückhaltung oder Verlegenheit mehr: Sagt ihm, was Euch beim Sex gefällt und was nicht. Nicht mit Gesten oder Geräuschen. Kerle wollen Klartext und werden sich dafür erkenntlich zeigen.

In der Galerie: Was die Vagina mag und was sie nicht mag:

5. Endlich den G-Punkt finden

Der G-Punkt ist kein Mythos, es gibt ihn wirklich und jede Frau kann ihn finden und dann den Partner dorthin leiten. Die Suche beginnt auf Google, dann mit den Fingern. 30 Minuten konzentrierte Forschungsreise, und wir versprechen, Ihr habt ihn!

6. Immer bereit und geschützt

Warum die Kondome ihm überlassen? Jeder Single sollte das Verhütungsmittel stets bei sich tragen, wen er ausgeht. Das macht euch nicht zur Schlampe, sondern zur emanzipierten und vernünftigen Frau!

 

7. Kein Sex aus Verpflichtung

Keine Lust auf Sex? Dann habt auch keinen! Sex nur deshalb, weil er es will oder es an der Zeit wäre, bringt nichts als ein negatives Gefühl am Ende.

8. Keine Sorge um die Zahl

Auch Frauen sollten dringen damit aufhören sich über die Zahl ihrer Sexpartner Gedanken zu machen. Ihr habt Lust auf Sex mit der neuen Bekanntschaft? Dann los, denn was bei Männern okay ist, sollte es spätestens 2015 auch bei Frauen sein.

9. Mit Gewissheit ins neue Jahr

Wer schleppt die unangenehmen Tests ständig vor sich her? Wenn der letzte ungeschützte Verkehr drei Monate oder länger her ist, dann einfach einen Termin zum Bluttest vereinbaren und sichergehen, dass alles im grünen Bereich ist. Sich entspannt fühlen garantiert besseren Sex!

 

Von:

www.joy.de/liebe/artikel/

Fühlen Sie sich ausgenutzt in Ihrer Beziehung?

Oktober 23rd, 2014

Wir Frauen können uns beglückwünschen, dass wir jetzt leben und nicht früher. Früher, als Paarbeziehungen reine Zweckgemeinschaften waren. Als nicht die Liebe bei der Wahl des Gefährten die wichtigste Rolle spielte, sondern die Fragen, wie viel teures Geschirr in der Aussteuerkiste steckte und ob der Zukünftige einen großen oder einen kleinen Hof erben würde. Wir dagegen können es uns leisten, romantisch zu sein, einfach unserem Herzen zu folgen. Aber stimmt das wirklich?

Klar, Beziehungen sind heute anders als früher, aber unser Alltag ist keineswegs frei vom Zweckdenken in der Liebe. Ja, wir taxieren unsere Beziehungen vielleicht sogar noch kühler als unsere Vorfahren. Die Soziologin Eva Illouz nennt es „emotionalen Kapitalismus“. Das bedeutet: Wir gestalten unsere Partnerschaft immer mehr nach ökonomischen und politischen Verhandlungsmodellen. Schauen genau darauf, dass sie im Vergleich zum Alleinsein einen Mehrwert für uns bringt.

„Wer investiert wie viel?“ ist der Grundsound der Liebe. Wir führen geistige Strichlisten darüber, wer wie oft wessen Socken wäscht und die Kinder abholt. Wie viel jeder in seine Karriere buttert. Wir registrieren genau, wer wie oft „Ich liebe dich“ sagt und wie lange der Blowjob im Vergleich zum Cunnilingus dauert. Das klingt brutal. Aber wir haben es so gelernt. Weil wir in einer Kultur leben, in der wir aufgefordert sind, immer und überall unseren Nutzen zu maximieren. Natürlich wirkt sich diese Denkart auch auf unsere Beziehungen aus. Die Frage ist bloß: Was macht das mit uns? Lohnen sich Liebesbeziehungen, nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung betrachtet, überhaupt noch? Eigentlich brauchen wir ja keinen festen Partner mehr. Er ist weder zum Kinderkriegen zwingend notwendig noch als finanzielle Stütze unerlässlich. Könnten wir romantische Liebe und Sex also nicht einfach an vorübergehende Partner outsourcen und ansonsten unsere Ruhe vor dem ja doch auch immer wieder anstrengenden Beziehungsalltag haben?

Ideal wären eigentlich vier Partner

Die amerikanische Autorin Sandra Tsing-Loh kam in einem in den USA viel beachteten Essay zu genau dieser Bilanz: Sie beschrieb darin das Phänomen von Karrierefrauen, die, ökonomisch unabhängig von ihren Männern, diese nur noch als Störfaktor sähen, sobald sich der Schleier der Verliebtheit verzogen habe. Ideal, schlägt Tsing-Loh satirisch vor, seien für eine solche Frau nicht einer, sondern vier Partner: Mr. X als Mann für die anstrengende Alltagsverwaltung und vielleicht noch als Kindsvater, Mr. Y als romantischer Lover, der tanzen kann und Chardonnay anbietet, Mr. Z als eine Art Hausmeister, der alles repariert, und Mr. Q als Praktikant, für den Rest.

Sieht so die Zukunft aus? Entwickeln wir uns allmählich allesamt zu Beziehungsunternehmern, die ihren Marktwert im Internet angeben und Gefühle kalkuliert investieren?

Nicht unbedingt. Zumindest dann nicht, wenn uns neben ökonomischen und praktischen Erwägungen auch noch das eigene Glück am Herzen liegt. Das ahnt auch Tsing-Loh, die in ihrem Essay auf eine Langzeitstudie der renommierten Wharton School of Business verweist, die festgestellt hat, dass Frauen heute im Vergleich zu früher eindeutig unglücklicher sind – aller gesellschaftlichen Fortschritte zum Trotz. Wer daraus folgert, dass es Frauen in den 50ern besser ging, weil die Rolle der Hausfrau eben besser zu ihnen passt, denkt jedoch zu oberflächlich. Man kann aus der Studie auch einen anderen Schluss ziehen: dass eine Lebenswelt, die bis ins Privatleben und in Liebesbeziehungen hinein vom Prinzip der Profitmaximierung durchdrungen ist, niemanden wirklich glücklich macht.

Vielleicht ist es also eine im wahrsten Sinne unglückliche Entwicklung, wenn wir in unseren Beziehungen immer mehr aufrechnen und verhandeln. Vielleicht müssten wir öfter mal wirklich unserem Herzen folgen. Die Liebe an sich, das wird in Zeiten des Individualismus und der Selbstoptimierung gern vergessen, ist ein Gefühl, das Einheit will und skandalöserweise gar kein Interesse an persönlichen Profiten hat. Gegenseitiges Aufrechnen ist Verstandessache, Liebe aber ist irrational.

Sind wir zu hart geworden?

Wenn wir besonders tief lieben, das hat jeder schon einmal erlebt, drückt sich das sogar in einem unwiderstehlichen Drang zum Geben aus. Das steht scheinbar im Widerspruch zu dem, was die Frauen unserer Generation von Kindheit an gelernt haben: dass wir immer darauf pochen müssen, nie zu kurz zu kommen, schon gar nicht „aus Liebe“ zu einem Mann.

Keine Frage, es gibt Momente in Beziehungen, in denen es dumm ist, einfach aus Zuneigung zu handeln: wenn es um Dinge geht, die langwierige finanzielle Konsequenzen haben, zum Beispiel. Aber manchmal scheint es, als wären wir zu hart geworden, als hätten wir vergessen, dass es Momente gibt, in denen ein Stück Selbstaufgabe möglich und sogar tief befriedigend ist. Mal ehrlich: Die schönsten Momente in Beziehungen sind nicht diejenigen, in denen man weiß, dass man weder zu viel noch zu wenig gegeben hat, in denen also ein perfektes Gleichgewicht herrscht. Sondern es sind genau die Momente, in denen einer der Partner mehr gibt, als er eigentlich müsste.

Wenn der Liebste, genauso todmüde wie man selbst, sagt: „Nimm dir ein Buch, setz dich hin, ich mach das Abendessen.“ Oder wenn einer die Kinder einpackt und einen Ausflug macht, obwohl doch der andere mit Kinderhüten dran wäre. Neurobiologen haben herausgefunden, dass das Belohnungszentrum im Gehirn anspringt, wenn wir anderen Menschen etwas geben können. Deshalb fühlt Liebe sich nicht dann am besten an, wenn man den größtmöglichen Profit aus ihr zieht. Sondern wenn man sie freigebig gibt. Einfach so, ohne Strichliste.

Original:

www.brigitte.de/liebe/

Beziehung: Nirgendwo wird so viel gelogen wie beim Sex

September 2nd, 2014

Jüngst wiederholte man im US-Bundesstaat Michigan ein altbewährtes Experiment. Eine kindhaft wirkende Frau in Shorts fragt Vorübergehende auf der Straße: „Willst du mit mir Sex haben? Jetzt?“ Das Video führt reihenweise verblüffte Männer vor. Sie stehen da wie vom Donner gerührt, drehen sich um die eigene Achse, um festzustellen, ob jemand mithört oder eine Kamera läuft. Ein älterer Herr ruft die Polizei, ein anderer gibt sich empört, dass ihm in Gegenwart seiner Freundin solches angetragen wird.

Aber die Hälfte der Männer sagt Ja und folgt der Schönen zu ihrem angeblichen Lotterlager – die Herren sind sicher: Dieses Angebot kann nur ernst gemeint sein. Diskret werden sie schließlich aufgeklärt, es handele sich bei „Asking Men for Sex“ um ein „social experiment“.

Robert Trivers, 70, renommierter Evolutionsforscher an der Rutgers University in New Jersey, hat mit Studenten dieses Experiment schon vor Jahren absolviert. Er lacht, als er davon erzählt. Mitunter seien es gar 75 Prozent Männer gewesen, die sich auf das Abenteuer eingelassen hätten. Frauen dagegen würden grundsätzlich defensiv reagieren.

Die Evolution ist die Antwort

Man schickte in Michigan auch einen Mann los, der Frauen Spontansex anbot. Einige kreischten und flohen, andere wurden grimmig, eine rabiate Frau schüttete ihm den Inhalt ihres Pappbechers ins Gesicht. Warum sind Frauen so absolut wählerisch, während Männer bei günstiger Gelegenheit nicht lange fackeln und oft dramatisch ihre Ansprüche senken?

„Die Antwort heißt Evolution“, erklärt Trivers. Folgt man nämlich der evolutionsbiologischen Argumentation, liegt der Grund für die Bereitschaft der Männer, mit der Frau ins Schlafzimmer zu gehen, in ihrem genetisch bedingten Trieb, ihre Gene an möglichst viele Sexualpartnerinnen weiterzugeben. Die Frauen hingegen müssen gut auswählen, wen sie in ihr Bett lassen, weil sie – theoretisch – stets eine Schwangerschaft riskieren, sich um ein Kind kümmern müssen und somit viel mehr investieren müssten. Ein anderer Mechanismus der Natur spielt nun dem Mann und seinem Trieb in die Hände: das Prinzip der Selbsttäuschung.

Es ist belegt, dass der Durchschnittsmensch sich für 20 Prozent schöner hält, als er es nach herkömmlichen Maßstäben ist. Der Mann darf also glauben, dass diese junge Frau mit ihm schlafen will, weil er ja so begehrenswert ist. Er täuscht sich dabei selbst, um die Gelegenheit ergreifen zu können, sich fortzupflanzen. „Aufgrund ihrer falschen Projektionen fangen die Männer mehr Frauen ein, darunter solche, die tatsächlich mit ihnen kopulieren werden. Wer sich als schöner oder größer empfindet, gewinnt durch diese Selbsttäuschung Selbstvertrauen“, sagt Trivers.

Bei Frauen hingegen funktioniert dieser Mechanismus anders, da ihre genetische Programmierung nicht darauf angelegt ist, mit möglichst vielen Männern zu schlafen. Vielmehr läuft es hier nach dem Motto: Ich bin zu gut, um mich an jeden Dahergelaufenen zu verschenken.

Täuschung und Selbsttäuschung

Daraus ergibt sich das altbekannte, statistische Ungleichgewicht, dass Machos unter ihresgleichen mit maßlosen Sexeroberungen prahlen, während Frauen eher unter den Teppich kehren, wenn sie viele Liebhaber hatten. Sie wollen ihren Ruf als ehrbare Dame wahren. Deutsche beiderlei Geschlechts haben in ihrem Leben im Schnitt sieben Sexualpartner. Männer wollen aber mit viel mehr Frauen Genitalkontakt gehabt haben als Frauen mit Männern. Lügen gehört des Renommees wegen dazu. Die Evolutionsbiologie lehrt: Es sichert das Überleben unserer Gene.

„Nirgendwo wird so viel gelogen wie beim Sex“, sagt Robert Trivers. Er forscht seit Jahrzehnten zu Täuschung und Selbsttäuschung. Sein Vorgehen und seine Ergebnisse hat er im Buch „Betrug und Selbstbetrug“ (Ullstein, 23 Euro) beschrieben. Seine These: „Selbsttäuschung entwickelt sich in der Evolution im Dienste der Täuschung – damit wir andere hinters Licht führen können.“ Und er betont: „Je höher der IQ-Wert eines Menschen, desto geschickter kann er lügen. Je größer sein Gehirn, desto größer sein Betrug.“

Wir betrügen uns selbst, um die Umwelt betrügen zu können. Bei der Selbsttäuschung wird das Verhalten unbewusst in den Täuschungsmodus überführt. .“Diese Täuschung tilgt zwar nicht Dinge, die uns bewusst sind, verzerrt sie aber in den Tiefen unseres Unbewussten, sodass sie uns nicht mehr bedrängen.“

Der Trieb ist die Schubkraft

Trivers spricht zum Beispiel von Gehirnarealen, die an der möglichen Enttäuschung beim Blick in den Spiegel mitwirken und die einfach ausgeschaltet werden. „Dadurch steigt die Qualität der Täuschung“, sagt er. Was nicht sein darf, ist dann eben auch nicht. Und warum der Aufwand? Weil es aus Sicht der Evolution immer nur um die Fortpflanzung geht, „das zentrale Ziel unseres Lebens.

Wenn zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts sexuell zusammenkommen, ist ihre Gemeinschaft noch lange nicht gesichert. Der Trieb ist die Schubkraft. Trivers wird gern persönlich: Als junger Mann habe er einfach nur Sex gewollt. Das ging nicht im prüden Amerika, es musste liebesummantelt sein. „Also bildete ich mir ein, in eine Frau verliebt zu sein.“

Daraufhin durfte er mit der einen oder anderen das Bett teilen. Danach, erinnert er sich, „war die Verliebtheit wie weggeblasen“. Sein Fazit als Wissenschaftler: „Ich habe mich selbst getäuscht und die Frauen getäuscht. Das Gefühl der Verliebtheit entstand, um Sex zu ergattern. Aber dessen war ich mir erst im Nachhinein bewusst.“

Die Performance zwischen Mann und Frau

Auch in unserer Zeit, so der Experte, liefe das noch so. Es gehört zum Rollenspiel, zur Performance zwischen Frau und Mann. Deshalb spricht man davon, jemanden „rumzukriegen“. Die Selbsttäuschung würde zudem der Seele aufhelfen und das Immunsystem stark machen. „Selbsttäuschung hat günstige Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Geistesleben“, sagt Trivers. „Unser Geist verfälscht Informationen von vorn bis hinten, wenn es nützlich ist: von anfänglicher Vermeidung über falsche Codierung, Erinnerung und Logik bis zu Falschaussagen gegenüber anderen.“

Wir würden schmerzliche Erinnerungen unterdrücken, rationale Erklärungen für unmoralisches Verhalten finden und unser Ego mit einem ganzen Arsenal an Mechanismen verteidigen. „Wir nehmen uns anders wahr, als wir sind. Und andere sollen uns anders wahrnehmen“, sagt Trivers.

Sigmund Freud wusste das schon. „Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus“, schrieb er. Der Mensch war ihm ein Bündel höchst unterschiedlicher Komponenten. Sein Denken, Fühlen und Handeln erscheint nicht eindeutig, es ist vieldeutig reguliert und oft nicht gut abgestimmt.

Wir sind das Wesen mit dauergemischten Gefühlen, oft uneins mit uns. Die beharrliche Neigung, sich positiv zu beleuchten, ein stark selektives Gedächtnis, das ständig die eigene Biografie zu unseren Gunsten umsortiert – viele Indizien sprechen dafür, dass die Bildersammlung von uns alles andere als ein neutrales Archiv ist.

Der Mensch ist nicht Sklave seiner Gene

Am meisten betrogen wird laut Trivers „in familiären und sexuellen Interaktionen“. Weil wir die Sprache besitzen, der große evolutionäre Vorzug des Menschen. Schimpansen, genetisch unsere nächsten Verwandten, täuschen mit Mimik und Gestik. Aber wer über Sprache verfügt, besitzt mehr Täuschungsmöglichkeiten.

Selbst unsere Gene sind für Evolutionsbiologen nur Egoisten. Sie bedienen sich „molekularer Täuschungsmethoden, um sich auf Kosten anderer Gene effizienter fortzupflanzen“, erklärt Trivers. Lug und Trug im eigenen Körper, im eigenen Geist bis in die Tiefe der Zellen und Gedanken. Alles im Dienste der Evolution.

Der Mensch muss aber nicht ein Sklave seiner Gene bleiben. Er kann unterscheiden zwischen Gut und Böse und hat einen freien Willen. Er ist das einzige Lebewesen, das sich ethisch mit seinem Handeln auseinandersetzt. Er kann aus Fehlern lernen, sein Verhalten ändern. Leicht ist das aber nicht, geht es doch gegen die Biologie. Zu täuschen, erst sich selbst, dann andere, ist einfacher. Die Evolution bevorzugt eben das Simple, das Pragmatische.

Robert Trivers hat ein markantes Beispiel: Simulation. Bei Paaren, die länger zusammen sind, glüht die sexuelle Leidenschaft aus, sie werden zu Geschwistern. Das gefällt beiden nicht und sie nehmen sich vor, ihr Sexleben zu vitalisieren. Sie verlassen das Schlafzimmer und gehen an andere Orte, beliebt sind Hotels mit Kingsize-Betten, Terrassen, Strände oder Wiesen.

Liebe ohne Täuschung gibt es nicht

Trivers weiß aber: Auch wenn die Liebe groß ist, muss man beim Sex etwas simulieren. Sex, sagt er knallhart, sei nur anfangs, in der Jugend, authentisch. Nach mehrfacher Wiederholung dominiert Routine. „Oft wird dann beim Sex etwas vorgetäuscht, man hat Fantasien von einem früheren oder imaginären Partner.“ Soll heißen: Es wird getäuscht beim Sex. Die Beteiligten wissen das. Männer spüren, dass Frauen sich in Wunschträume fantasieren, wenn diese introvertiert scheinen. Frauen erfassten noch intuitiver, ob es in der horizontalen Begegnung mit einem Mann nur am Rande um sie geht. Sie könnten Gesichtsausdrücke auch beim Sex viel besser deuten.

Aus zahlreichen Gesprächen weiß Robert Trivers: „Zu fantasieren ist verlockend und zugleich heimtückisch. Doch lebt ein Mensch außerhalb der Partnerschaft seine Triebe aus, kann das die Partner weit voneinander entfernen und tiefe Verletzungen verursachen – bis hin zu offener Feindseligkeit.“

Die Evolution verleitet uns zur Täuschung, und manchmal endet das in einer Katastrophe. Es ist aber eine Frage der persönlichen Reife und des Verständnisses füreinander, wie mit der Simulation umzugehen ist. Denn eine Liebe ohne Täuschung gibt es nicht.

 

 

Original-Artikel:

www.welt.de/lifestyle/article119421777/Nirgendwo-wird-so-viel-gelogen-wie-beim-Sex.html