Selber kochen!

November 30th, 2014
Geht Ihnen der Hype, der mittlerweile um das Thema Essen gemacht wird, auch so auf die Nerven?

Essen müssen wir alle, das ist doch etwas sehr Existenzielles. Insofern könnte man das, was Sie als Hype bezeichnen, auch einfach Notwendigkeit nennen. Jahrzehntelang haben wir die Industrialisierung unserer Lebensmittel- produktion stillschweigend geduldet. Jetzt weiß niemand mehr, wo das Essen herkommt, und wie es zubereitet wird. Und auf einmal ist Essen wieder zu einer Sensation geworden.

Die Leute kochen nicht mehr und deswegen schauen sie anderen im Fernsehen dabei zu, heißt es.

Da ist sicher was dran. Wären sie damit vertraut, wie ein Wiener Schnitzel gemacht wird, würden sie nur sagen: Aha, danke, das weiß ich selbst. Andererseits glaube ich, dass Kochsendungen nicht geguckt werden, weil die Zuschauer wirklich wissen möchten, wie man Boeuf Bourguignon macht. Sie sind einfach ein willkommener Anlass, eine weitere Stunde vorm Fernseher abzuhängen. Und die Familie wird mit Tiefkühlkost abgefüttert.

Ist es wirklich so schlimm?

Noch viel schlimmer! Es gibt in diesem Land sehr viele Menschen, die keine Vorstellung davon haben, wie man Pellkartoffeln kocht. Ich war mit Kindern beim Einkaufen. Als ich ihnen einen Sellerie in die Hand drückte, hieß es nur: Was ist das? Wenn ich Kochkurse in Schulen gebe, können Vierzehnjährige Äpfel nicht von Birnen unterscheiden. Nur was eine Karotte ist, das wissen alle. Die ist nämlich schon auf dem Babygläschen abgebildet.

In den 50er-Jahren gab ein Haushalt noch knapp ein Drittel des verfügbaren Geldes für Essen aus, heute sind es etwas mehr als zehn Prozent. Trotzdem hat man das Gefühl, wenn es eng wird, sparen die Leute als Erstes am Essen.

Selbst zu kochen ist in jedem Fall günstiger als ein Fertigprodukt. Was ja auf der Hand liegt: Auch wenn man die Rohzutaten teurer einkauft als die Industrie, spart man sich den Verarbeitungsprozess, den Transport, die Maschinen, die Verpackung. Voraussetzung ist, dass man versucht, saisonal und regional zu kochen und vom Tier nicht immer nur das Filet verwendet.

Kochen mag günstiger sein. In jungen Familien geht es auch um Zeit. Kochen bedeutet Aufwand.

Kochen ist aber auch befriedigend. Ich kann mich austoben! Ich erschaffe ein Werk! Ich nähre die, die ich liebe und mich selbst. Das ist ein triumphales Gefühl.

Ernährungs-physiologisch ist es aber egal, ob ich kalt oder warm esse.

Aber da fängt es ja schon an. Die Leute kaufen das billigste Weißbrot, die grausligste Salami, irgendeine Margarine – und das war’s dann!

Dem viel gescholtenen Lidl-Prekariat steht zunehmend eine Mittelschicht gegenüber, für die Essen zum Statussymbol geworden ist. Warum diese Extreme?

Wenn sich jeder Lachs leisten kann, sucht die Elite andere Wege, um sich abzugrenzen. Da entdeckt man eben eine alte Tomatensorte, die einen über die Masse erhebt. Sie haben schon recht: Für manche ist Essen zu einer Ersatzreligion geworden. Wir können scheinbar nicht mehr einfach essen, was uns schmeckt, und aufhören, wenn wir satt sind. Wir brauchen ja sogar einen Ratgeber, der uns sagt, was wir wann in welcher Menge essen sollen.

Woher kommt diese Verunsicherung?

Kochen war immer ein Wissen, das selbstverständlich von Müttern an ihre Töchter weitergegeben wurde. Dieser Faden ist aber nicht erst bei unseren Müttern abgerissen, die irgendwie nicht mehr kochen, sondern lieber ihr eigenes Geld verdienen wollten. Es hat schon eine Generation früher angefangen, bei unseren Großmüttern, die eine nach der anderen aufgehört haben, ihre eigene Brühe zu kochen.

Man kann ja nicht im Ernst verlangen, dass sich die ganze westliche Welt wieder so ernährt wie 1890. Gibt es denn keine gesunde Mitte?

Doch. Aber dafür muss ich beurteilen können, was ich vorgesetzt bekomme. Deswegen bin ich der Meinung, dass jedes Kind Kochen lernen sollte. Wenn ich die einfachsten Prozesse nie mitbekommen habe, werde ich immer fremdbestimmt sein in dem existenziellsten Bereich meines Seins. Wenn man ein Grundwissen in diesen Dingen hat, kann man natürlich auf verarbeitete Lebensmittel zurückgreifen. Für was ich allerdings einen Pfannkuchenteig aus der Tube brauche, werde ich nie begreifen.

Ihre Mutter war eine alleinerziehende Künstlerin, die Sie als Kind nicht jeden Tag mit selber gemachten Mehlspeisen verwöhnt hat. Ganz so tragisch kann es also nicht sein, wenn man als Kind nicht unter Feinschmeckern aufwächst.

Die Welt der Nahrungsmittel war damals noch eine andere. Wenn sich ein Kind heute ausschließlich von Fertigprodukten ernährt, wird es auf Geschmäcker geeicht, die mit Natürlichkeit nichts zu tun haben. Ich habe diesen Test mit Schülern oft gemacht: Joghurt mit frisch zerdrückten Erdbeeren und ein bisschen Zucker oder Honig – und ein Erdbeerjoghurt aus dem Supermarkt. Dann sagen 99 Prozent der Kinder zu dem richtigen Erdbeerjoghurt: Igitt, man schmeckt ja gar nichts! Und zu der picksüßen, künstlichen Variante: Das ist der echte!

Ich kannte Eineinhalbjährige, die mit Vergnügen das Fett aus einem Stück Spanferkel lutschten. Zwei Jahre später essen sie nur noch Fleisch, das keinerlei Unregelmäßigkeiten aufweist. Und Brot ohne Rinde. Vielleicht kann man Kinder von der seltsamen, neuen Welt des Essens genauso wenig fernhalten wie von Computerspielen und anderem Teufelszeug.

Wenn die Eltern Kalbszunge eklig finden, werden die Kinder Kalbszunge auch eklig finden. Einerseits. Andererseits ist Essen das Machtmittel schlechthin. Nicht nur von Eltern, sondern auch von Kindern. Die entwickeln schnell ein Gefühl dafür, dass ihren Eltern das Thema wichtig ist. Wenn es ums Essen geht, wird gestritten, geschrien, gekämpft. Oft ist das ein Stellvertreterkampf für etwas anderes. Viele Eltern machen aber auch den Fehler, dem Essverhalten von Kleinkindern eine zu große Bedeutung beizumessen. Mein Gott, der arme Junge isst nun mal kein Brot mit Rinde? Ganz egal – wieso muss das Kind extra ernährt werden?

Es sind diese Streitereien, an denen auch in Familien, die versuchen, mit dem Essen alles richtig zu machen, die alltäglichen Mahlzeiten scheitern. Da sitzt man endlich beisammen, dann will das Kind aber kein Gemüse, sondern einen Pudding.

Aber den Pudding gibt es nicht. Wir kaufen keine Cola, die dann in Reichweite steht, und auch keinen Pudding. Dann wird das Kind auch nicht nach dem Pudding schreien. Das ist das Geheimnis. Dann muss man sich auch nicht erpressen lassen. Wenn ich ein vierjähriges Kind frage, was es essen möchte, wird es sich jeden Tag Fischstäbchen wünschen oder Spaghetti mit Tomatensauce.

Wie verhalte ich mich?

Wieso sollte ich ein vierjähriges Kind fragen, was es essen will? Absurd! Was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Sonst wird man verrückt. Ich kenne Familien, in denen die Mutter sagt: Mein Sohn isst nur eine bestimmte Salami und die gibt es nur in einem speziellen Fleischerladen und deswegen fahre ich zweimal in der Woche eineinhalb Stunden durch die Stadt – hallo? Die Tochter einer Freundin hat irgendwann nur noch gegessen, wenn die Mutter gesungen hat.

Oft sind sich ja schon die Eltern nicht einig. Die Frau mag Putenbrust, der Mann ein Steak, und dann fängt das Hin und Her an.

Wenn es schmeckt, dann schmeckt es. Ob das jetzt Putenbrust oder Steak ist – oder Grünkernbuletten, wenn die richtig gut gemacht sind. Aber in der Regel ist es doch so, dass der Durchschnittskoch seine acht bis zehn Gerichte hat, die sich permanent wiederholen.

Interessieren sich Jungs eigentlich genauso für ihre Kinderkochkurse? Oder ist Kochen am Ende immer noch Mädchensache?

Nee, die Jungs interessieren sich genauso. Ein paar Väter haben ja mitgekriegt, dass Kochen irre Spaß machen kann. Vor allem am Wochenende, wenn sie Zeit und Lust haben, auf den Biomarkt zu gehen und dann im großen Stil für Gäste aufkochen können. Aber wenn du nach acht oder zehn Stunden Arbeit nach Hause kommst, einkaufen musst, dann kochen und später auch noch abwaschen, sieht die Sache mit den Herren am Herd schon wieder anders aus.

A propos einkaufen. Sie besuchen mit Ihren Kochkindern nicht nur Supermärkte, sondern auch Bauernhöfe. Sollte man nicht auch einmal gemeinsam zum Schlachthof gehen?

Im Rahmen eines kulinarischen Kindercamps hatten die Kinder tatsächlich einmal die Möglichkeit, zum Kaninchenschlachter zu gehen. Einige waren ganz wild darauf zu sehen, was passiert. Am nächsten Tag haben wir Kaninchen gekocht. Bis auf zwei Mädchen haben  alle mitgegessen, und ich glaube, eine war eh Vegetarierin.

Die einzigen, die ein Problem damit hatten, waren die Boulevardmedien.

Die haben mich nach meiner Kaninchensendung zerrissen. Muss das sein? Muss man den Kindern denn sagen, woher das Fleisch kommt?

Und: Muss man?

Ich halte das für extrem wichtig, um überhaupt Respekt vor den Lebensmitteln herzustellen und auch um zu wissen, was es denn heißt, wenn tausende von Tieren am Fließband getötet werden – so ist das, wir wollen eben billiges Fleisch. Damit da keine Missverständnisse aufkommen: Ich glaube, dass wir alle viel zu viel Fleisch essen. Und dass wir unsere Nutztiere wie in einem Folterknast behandeln. Widerlich. Grauslig. So ein Fleisch möchte ich überhaupt nicht essen. Ich möchte auch nicht, dass Tiere so leben müssen. Und ich glaube auch, dass das Produkt Fleisch zu billig ist. Trotzdem stört mich ein Veganer, der Porsche fährt, mehr als ein fahrradfahrender Fleischfresser.

Sind Kinder in Ihren Restaurants gern gesehen Gäste?

Selbstverständlich. Wenn die Eltern sie halbwegs unter Kontrolle haben. Ich erlebe immer wieder, dass ein fettverschmiertes Schokoladenkind auf mich und mein weißes Kleid zustürzt. Und die Mutter sagt nur: Die tut nichts! Als wäre das eine Bulldogge. Ich finde es auch ungehörig, wenn man Kindern Gläser in die Hand gibt, und die gehen dann klopfend von einem Tisch zum anderen. Das klingt echt stockkonservativ, aber als Gast würde ich mir schon wünschen, nicht belästigt zu werden. Ich bin selbst zwar sehr schlecht erzogen, aber grundsätzlichste Manieren habe ich trotzdem mitgekriegt – zum Beispiel, dass ich niemanden anrülpse und nicht mit offenem Mund kaue.

Muss ein kleines Kind ein Mehrgängemenü durchstehen können, mit Hummerbesteck und mehreren Vorspeisen?

Ich wüsste nicht, warum. Wenn ich gut essen gehen will, dann kann ich die Kleinen doch auch mal zu Hause lassen. Wenn ich jetzt an der bretonischen Küste bin und da gibt es Miesmuscheln, na klar, dann isst das Kind die Muscheln mit. Aber ein mehrgängiges Menü? Das ist ja vielen Erwachsenen schon zu anstrengend.

Frau Wiener, wird bei Ihnen zu Hause gemeinsam gegessen?

Für meinen Mann koche ich gerne. Ich bin ein eitler Mensch. Ich brauche das Feedback: Schatz, das war aber lecker! Als mein Sohn noch bei mir lebte, muss ich ihm mit meiner Kocherei aber ganz schön auf den Geist gegangen sein. Eine Zeit lang hat der dann nur den letzten Mist gegessen.

Fertigpizza!

Nie in meinem Leben habe ich eine Fertigpizza gekauft!

 

Originalbeitrag lesen:

www.nido.de/artikel

Essen und Stil: Veganer sind auch Menschen – mit Superfood-Atem

September 6th, 2014

Eins muss mal gesagt werden: Nicht alle Veganer sind militante Arschlöcher.

Wir sind auch nur Menschen. Klar ist es einfach, sich über Veganer lustig zu machen, mit ihren Ansichten zu Daunenmänteln und dem penetranten Spirulina-Superfood-Atem. Allerdings können Omnis (vom englischen Omnivore, Allesfresser) auch ziemlich nervig sein. Etwa mit ihren Kommentaren über die armen Mäuse, die in den Sojabohnenfeldern während der Ernte verenden. Oder mit ihren Witzen. Kennen Sie den? Wie viele Veganer braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln? Zwei: Einen, um sie auszutauschen und einen, um nach versteckten tierischen Inhaltsstoffen zu suchen… .

Natürlich gibt es Veganer wie Bob, der auf diversen Internetforen kundtut, dass die armen Kinder in Afrika sich lieber vegan ernähren sollten, anstatt die Milchpulverpaste, welche Unicef ihnen schickt, zu essen. Mit so jemandem will man nicht in einem Atemzug genannt werden. Und wenn ich ehrlich bin, fällt es mir ohnehin schwer, mir das Label „vegan“ aufzukleben. Denn dafür müsste ich tatsächlich zu 100 Prozent auf alle Produkte verzichten, die in irgendeiner Form tierischen Ursprungs sind oder in deren Entstehungskette irgendwann ein Tier zu Schaden gekommen ist.

Ich habe zwar kein Ledersofa, aber auch keine Ahnung, ob meine Möbel vegan sind oder durch Knochenleim zusammengehalten werden. Und in meiner 1972er Corvette Stingray befinden sich immer noch die original Ledersitze. Ich esse nach wie vor Bienenkotze, besser bekannt als Honig und benutze dieselbe Pfanne, in der mein Mann sein wöchentliches Hähnchen brät, um meinen Seitan zu sautieren.

Und Teddy, der Terrier, den wir über eine Tierschutzorganisation adoptiert haben, frisst zwar veganes Hundefutter (Welcome to L.A.!), aber mein Mann besteht darauf, eben erwähntes Hähnchen mit ihm zu teilen. Für mich ist das kein Scheidungsgrund. Deswegen bevorzuge ich, was mich anbelangt, die von mir kreierte Bezeichnung AVAP: As Vegan As Possible. Wie es ist, einen ganzen Tag als Hardcore-Veganer zu verbringen (meine Corvette ausgenommen), und zwar in Los Angeles, der Hochburg moderner Nahrungsneurosen, habe ich im Selbstversuch erprobt.

8:00 Uhr, Café Gratitude, Venice: Bei vielen Menschen lösen vegane Restaurants Assoziationen mit auf Sandalen herumschleichenden Dreadlockträgern aus, die ein wenig streng riechen. Der Look der Gäste im Café Gratitude ist allerdings High Heels (die Damen) und Rolex (die Herren). Zwei Tische von mir entfernt schlürft Anne Hathaway einen „Cool“. So heißt ihr geliebter Minz-Schokoladenchip-Shake. Sämtliche Gerichte im Gratitude tragen lebensbejahende Namen wie „I am Love“, oder „I am Magical“. Die Zutaten sind vegan, bio, fair gehandelt. Erleuchtung und Selbstbewusstsein gibt es gratis als Beilage.

Ich bestelle die Rohkost-Cashew-Crêpes „I am Fantastic“ beim Kellner. „Of course you are“, sagt er und stellt mir die Frage des Tages: „What are you grateful for?“ Ich bin dankbar, nicht am Nebentisch zu sitzen. Da geht es nämlich wenig Zen zu, denn es entbrennt gerade Streit zwischen einem Veganerpärchen und einem befreundeten Omni. Letzterer wird wegen seiner Cowboystiefel (Leder!) von den Veganern zur Schnecke gemacht.

Darauf fragt der erboste Omni die Veganer, wie sie es denn mit sich vereinbaren könnten, ihre Hunde mit Fleisch zu füttern. Die Veganer-Frau giftet zurück, er sei ein blödes Schwein, sie würde zur Not sogar mit eigenen Händen eine Kuh erwürgen, um ihre Babies (die Hunde) zu füttern. Der Omni-Mann steht auf und geht. Ob aus dem Café oder an die Bar, um ein Beruhigungs-Elixier zu bestellen, ist ungewiss. Besser erst einmal Weizengras über die Sache wachsen lassen.

8:45 Uhr, Moon Juice, Venice: Nach dem Frühstück gönne ich mir schräg gegenüber vom Gratitude einen Kürbiskernsaft im Moon Juice. Schräg ist hier auch das Publikum. Vor mir am Tresen steht ein blondbärtiger Turbanträger, der minutenlang glückselig in die Auslage getrockneter Algen lächelt. Ich lasse mich dazu hinreißen, fünf Dollar für ein zwei Bissen großes Stück Sonnenblumenkern-„Käse“ zu zahlen.

Er schmeckt wunderbar, das aber leider nicht lang. Die Besitzerin von Moon Juice hört übrigens völlig ironiebefreit auf den schönen Nachnamen Bacon. An Speck erinnere ich mich aus früheren Tagen gut. Er schmeckte großartig. Mit dem Geschmack von Fleisch hatte ich auch nie ein Problem. Zum Glück gibt es inzwischen für alles eine fleischlose Alternative. So wie im Viva La Vegan, dem größten veganen Supermarkt der Welt.

9:30 Uhr, Viva La Vegan, Santa Monica: „Die schmecken gut!“, ermuntert mich der Verkäufer, als ich eine Packung vegane Kondome (bei der Herstellung regulärer Latex-Kondome wird häufig Casein, ein Milcheiweiß, verwendet), Geschmacksrichtung Goji-Beere, begutachte. Zur Wahl stehen auch Blaubeere und Maulbeere. Cervelat gibt es nicht. Zum Hummerersatz in meinem Einkaufswagen gesellt sich ein Glas veganer Kaviar. Der besteht unter anderem aus Algen. Die glibberigen Kügelchen platzen beim Draufbeißen genauso wie das Original.

Überhaupt ist das Kau-Erlebnis das Wichtigste, klärt mich die Dame am Werbestand von Beyond Meat auf. Die Firma spezialisiert sich auf Hühnerstreifen ohne Huhn. „Der Geschmack war relativ einfach nachzuahmen, an der Textur haben wir länger gearbeitet“, bestätigen mir die Beyond-Meat-Gründer Ethan Brown und Brent Taylor, die von der tüchtigen Angestellten auf meine Fragen hin, sofort angerufen wurden.

Die größte Herausforderung sei nach wie vor, Männer davon zu überzeugen, dass der Huhn-Ersatz kein Essen für Weicheier ist, so Brown, der den Tieren zuliebe seit dreizehn Jahren vegan lebt. Taylor hingegen ist Flexitarier und isst ab und zu noch ein Stück Bio-Fleisch. Er ernährt sich nicht wegen des Tierschicksals (fast) fleischlos, sondern wie viele andere Veganer auch, aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit und der Umwelt zuliebe.

10:30 Uhr, irgendwo im zäh fließenden Verkehr von L.A.: „Aus welchem Grund jemand auf Tierprodukte verzichtet ist mir letztlich egal“, erzählt mir mein Bekannter, der Musiker und passionierte Veganer Moby, am Telefon. „Es ist doch großartig, als Tierschützer so viele unterschiedliche Ansätze zu haben, mit Menschen über Veganismus zu sprechen.“ Ob man nun wegen des Klimawandel oder aus dem Wunsch nach einem gesunden und langen Leben ins Gespräch komme, interessiere ihn nicht, sagt Moby, hauptsache, die Bewegung werde vorangetrieben.

Honig ist die einzige Ausnahme, die er sich gestattet. Warum? „Weil ich Bienen liebe“, sagt Moby: „Auf der ganzen Welt sterben derzeit Kolonien ab, weil große Honiguntermen aus Kostengründen im Winter die Bienen töten. Nachhaltige Imker helfen, Bienen zu schützen.“ Neben Musiker Travis Barker und Schauspieler James Caan ist Moby Investor des veganen Promi-Restaurants Crossroads. Erst letzte Woche, sagt er, hätten Paul McCartney, Johnny Depp und Ronnie Woods gemeinsam dort gegessen. Auch Oprah Winfrey schaue regelmäßig vorbei. „Komm doch heute Abend zum Dinner,“ sagt Moby. Mache ich!

11:00 Uhr, Earthbar, West Hollywood: Sicher ist sicher, denke ich, als ich die Hosen im Behandlungszimmer herunterziehe und mir einen Schuss Vitamin B setzen lasse. Angeblich leiden wir Pflanzenfresser alle an Vitamin-B-Mangel. Vor allem solche Veganer, die selbst auf Hefe (die armen Bakterien!) verzichten. An der Bar beim anschließenden L-Carnitin Drink (für die Fettverbrennung) klagt mir eine Freundin ihr Männer-Leid.

Das letzte Date der Vollblutveganerin ging voll daneben. Zuerst war alles in Kokosbutter. „Aber zum Dessert…“, hier stockt ihr Atem, „hat er Panna Cotta bestellt“. Mit Fleischeslust nach dem Essen war dann natürlich nichts. „Ich konnte ihn einfach nicht küssen.“ Seitdem geht sie keine Risiken mehr ein. Männer lernt sie jetzt auf www.veggieconnection.com kennen.

Ihr Nutzername dort ist „Wild Carrot“. Gerade hat sie Post bekommen. CRAZYJUICE schreibt ihr, dass er eine Frau sucht, für gemeinsame Saftkuren und Obstspiele. Schnell löschen. Vielversprechender klingt da READYTOLOVEYOU, der seine Leidenschaft fürs Gesichterlesen entdeckt hat und absolut nicht religiös, dafür aber sehr spirituell ist. Er arbeitet als makrobiotischer Berater und verkauft auf dem Wochenmarkt hausgemachte Falafel. Er möchte eine Frau treffen, die „NICHT (!)“ wütend oder verbittert ist und sein Interesse für Meditation teilt.

13:00 Uhr, MAKE, Santa Monica: Im veganen Gourmet-Tempel MAKE treffe ich den früheren Ironman-Triathleten Brendan Brazier. Sportliche Extremleistungen und erfolgreiches, stressfreies Leben durch pflanzliche Ernährung sind sein Credo. Der Unternehmer ist Gründer der Nahrungsergänzungsmittelmarke Vega und Erfinder der Thrive-Diät, die er in seinen Bestsellern erklärt. Sein Buch „Vegan in Topform“ ist nun auch in Deutschland erhältlich. Nebenher berät er Hollywoodstars wie Hugh Jackman in Ernährungsfragen. Seine Strategie: „Wer sich optimal ernährt hat mehr Energie, schläft weniger und erholsamer, kann sich besser konzentrieren und ist produktiver.“

Während unseres Gesprächs vertilgen wir die sogenannten Pieces de Resistance der veganen Küche: Lasagne, Käseplatte und Schokoladenganache-Torte. Alles Rohkost, alles vegan, alles hervorragend. „Das kannst Du auch selber machen“, sagt MAKE-Besitzer und Koch Matthew Kenney, der aufgrund meiner bis in die Küche dringenden Aaahs und Ooohs vorbeischaut. Er lädt mich in die hauseigene Akademie ein.

14:30 Uhr MAKE Academy: MAKE Academy klingt zwar martialisch, dort herrscht aber Friede, Freude, Tofukuchen. Über vier dutzend Menschen aus ebenso vielen Ländern kommen jeweils für einen Monat nach L.A., um von Kenney zu lernen, wie man auf hohem Niveau vegane Rohkostgerichte zubereitet. Ich melde mich für den Wochenendkurs „Rohkost: Käse, Schokolade und Desserts“ an.

16:30 Uhr, L.A. Vegan Crepe, West Hollywood: Veganer Lifestyle ist schön und gut. Wie aber einem Massenpublikum die Lebensphilosophie näherbringen, ohne dass sich gleich die Nackenhaare kräuseln? Um diese Frage zu beantworten, treffe ich mich mit Gary Smith und seiner Partnerin Kezia Jauron, die gemeinsam die nachhaltige PR-Agentur Evolotus betreiben. Zu den ausschließlich veganen Marken, die sie vertreten, zählen die Speiseeismarke Coconut Bliss, Autoren wie Ruby Roth (gerade in Deutschland mit ihrem Buch „Vegan aus Liebe“ am Start) und Non-Profit-Organisationen wie Animal Defenders International. „Das wichtigste ist, unseren Klienten zu erklären, wie sie ihre Story und ihr Produkt in den Medien verkaufen“, erzählt Smith.

„Tierschutzthemen müssen mainstreamiger verpackt werden“, ergänzt Jauron. Um in den Medien gehört zu werden, dürfe ein Produkt oder ein Anliegen das Publikum nicht beleidigen oder Werbepartner abschrecken. Tierleid, sagt Smith, werde in unserer Kultur unter den Teppich gekehrt. Jeder wisse darum, aber wenn es angesprochen werde, sei es ungefähr so, als ob man auf einer schicken Party in den Pool kotze. Jauron sagt: „Die Menschen wollen ihre selektive Wahrnehmung bestätigt haben.“ Deshalb verpacke man Tierschutzthemen besser als Verbraucherschutz.“

18:00 Uhr, Monocle Tattoo, Fairfax: Ich bin mit James Spooner verabredet, dem einzigen veganen Tätowierer in Los Angeles. „Tattoos sind nicht vegan?“, frage ich etwas perplex. „Es gibt Tinte, die nicht vegan ist. Außerdem verwenden viele Tätowierer Seide. Auch in den Salben und Cremes finden sich häufig Tierprodukte. Deswegen stelle ich meine eigenen Lotionen her.“ Spooner ist seit 21 Jahren vegan. „Damals war ich ein selbstgerechter kleiner Idiot. Wenn du Fleisch gegessen hast, warst du für mich Abschaum. Heute denke ich, es gibt niemanden, der 100 Prozent vegan leben kann.“ Zum Beispiel trügen viele Veganer Schuhe der Marke Converse, die zu Nike gehört, also zu einem Unternehmen, das auch Leder verwendet. „Wer Flieger oder Züge benutzt, fördert ebenfalls Unternehmen, die Tierprodukte servieren“, sagt Spooner.

19:00 Uhr: Kurz vor dem Date mit meinem Mann kaufe ich ihm online ein Geschenk. Bei The Brave Gentleman bestelle ich die Visionary Boots. Die werden aus handgestreichelter italienischer Mikrofaser gefertigt. Mit 304 US-Dollar nicht ganz billig. Dafür sehen sie toll aus, keine Müslilatschen, und sie können mit seinen Designer-Schuhen mithalten.

19:30 Uhr, Crossroads, West Hollywood: „Und, wie war dein Hardcore-Veganer-Tag?“, fragt mich mein Mann, während wir einvernehmlich einen Buffalo Trace Bourbon (ohne Fischblasenextrakt, Gelatine oder Eiweiß gefiltert) trinken. „Gar nicht mal so hart“, sage ich. Klar gibt es Besserwisser unter den Besseressern. Allerdings sind sie in der Minderheit. An ihre Stelle treten immer mehr junge und tolerante Pflanzenfresser. „Sozusagen Laissez-Faire-Veganer“, flachst mein Mann. „Genau.“ Sage ich. Und: „Kennst du den? Wie viele Fleischfresser braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?“ Er zuckt die Schultern. „Keine! Sie würden lieber im Dunkeln sitzen.“

 

Webseite:

http://www.welt.de/debatte/article124123932/Veganer-sind-auch-Menschen-mit-Superfood-Atem.html

Amaranth – das Powerkorn

November 1st, 2013

(Zentrum der Gesundheit) – Amaranth – ein wundervolles Getreide, das eigentlich gar keines ist, denn es wird der Gruppe sogenannter Pseudo-Getreidearten zugeordnet. Die kleinen Amaranth-Körnchen bergen eine schier unglaubliche Fülle an leicht verwertbaren Nähr- und Vitalstoffen. Das macht Amaranth nicht nur für ältere Menschen, Kinder und Sportler so wertvoll, denn dieses Powerkorn ist für alle Menschen ein Segen. Sehr zur Freude all jener, denen das Klebereiweiss im Getreide gesundheitliche Probleme bereitet, ist Amaranth absolut glutenfrei. Lassen auch Sie sich von seinem feinen, nussigen Geschmack sowie von seinen vielfältigen Zubereitungsmöglichkeiten überzeugen. Continue reading »

Familie & Ernährung… Kinder & Ernährung

Oktober 17th, 2013
Die meisten Menschen glauben, dass es die großen Veränderungen im Leben sind, die einen bedeutenden Unterschied machen. Ein neuer Job, ein Umzug in eine andere Stadt oder ein ganz neues, aufregendes Hobby. Doch sind es wirklich diese großen Ereignisse, die das Leben verändern? Oder machen die kleinen Dinge des Alltags den entscheidenden Unterschied? Ich bin überzeugt, dass bereits eine Veränderung der Alltagsgewohnheiten einen großen Unterschied für das Lebensgefühl jedes einzelnen, aber auch der ganzen Familie macht. So kann glänzendes Haar für mehr Selbstbewusstsein sorgen und gepflegte Zähne das Lächeln noch schöner machen. Was glauben Sie? Kommen Veränderungen im Leben durch große Ereignisse oder durch Veränderungen der kleinen Routinen des Alltags?

Kinder, welche an Übergewicht oder Untergewicht leiden, brauchen zunächst die Hilfe der Eltern. Der erste Schritt aus dem Gewichtsproblem herauszutreten ist eine grundsätzliche Umstellung der Ernährung. Continue reading »